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Willkommen in Gransee

Ruppinertor

KoniginLuise 

 

Gransee eine der schönsten Städte

Brandenburgs
mit historischem Altstadtkern
und dem Tor zum Ruppiner Umland

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Luftbild

Foto: Wolfgang Mauersberger

  Zeichnung1                           Besucherzaehler

Persönlichkeiten

Emy Köcke - Potthoff

Emy  Köcke - Potthoff
4.8. 1902 – 18.7. 1953

Bildhauerin
emy kcke potthoffaaEmilie Potthoff, geboren am 4. August 1902 in Lünen/ Westfalen. Verheiratet mit Max Köcke-Wichmann, Kunstmaler und Liebermannschüler u.a. max kckeaBeteiligung an der Großen deutschen Kunstausstellung München 1938. Wohnung und Atelier in Berlin-Charlottenburg wurden 1945 ausgebombt lebte zurückgezogen in einem Haus zwischen in Kraatz und Buberow, verstarb am 18. Juli 1953 nach einer Darmoperation beigesetzt am 21. Juli 1953 auf dem Kraatzer Friedhof, Erbbegräbnis das Doppelgrab schmückt ihre letzte Skulptur:  "Ich hatt' einen Kameraden"

Eröffnungsrede zur Ausstellung Emy Köcke-Potthoff (1902 - 1953) [Max Köcke-Wichmann (1889 - 1962)] "Ich hatt' einen Kameraden" 19.03. - 28.05.2017 von Manuela Röhken Kunstkate Kraatz, Lindenstr. 28 16775 Gransee

Sehr geehrte Freunde, Nachbarn, Neugierige, liebe Gäste! Meine Idee zu dieser Ausstellung ist schon einige Jahre alt. Ausschlaggebend war meine Unterstützung an den Arbeiten des Snethlage-Mausoleums auf dem Kraatzer Friedhof. Das Mausoleum steht unter Denkmalschutz, genauso wie das uns allen bekannte Doppelgrab des Künstlerpaares Emy Köcke-Potthoff und Max Köcke-Wichmann. Vor einem Jahr konnte ich der Öffentlichkeit den Kunstmaler und Liebermannschüler Max Köcke-Wichmann mit der Ausstellung "Heimatgefühle" ins Gedächtnis rufen. Mit der letzten Skulptur der Bildhauerin Emy Köcke-Potthoff ragt die Erbbegräbnisstätte besonders aus der üblichen Grabgestaltung heraus. Der Bandoneonspieler spielt den Titel "Ich hatt' einen Kameraden", ein altes Soldatenlied, was später häufig als Lied bei offiziellen Trauerfeiern erklang. Auch diese Ausstellung konnte ich nur mithilfe vieler Personen verwirklichen. Dafür möchte ich mich zuerst einmal bei allen bedanken. Die ersten Anregungen erhielt ich in unserer Winterstrickrunde. Von Marianne Korthals und Anneliese Müßigbrodt gab es erste Hinweise zur Spurensuche. Sämtliche Exponate stellte mir Hans-Jürgen Wähner aus Buberow zur Verfügung. Er ist ein privater Sammler und so hat er auch diese Stücke gerettet und bewahrt sie schon viele Jahre bei sich auf. Der Buberower Heimat- und Geschichtsverein präsentierte Dank Jürgens Sammelleidenschaft vor einigen Jahren eine Ausstellung mit Werken des Künstlerpaares Emy Köcke-Potthoff und Max Köcke- Wichmann.

An dieser Stelle folgt heute keine Laudatio, sondern das Protokoll einer Spurensuche: Wer hat Emy gesehen? Ich begann mit der Befragung einiger unserer Dorfältesten, die alle weit über 80 Jahre alt sind: mit meiner Nachbarin Frau Kleemann, Günther Much und Helga Grieben. Von allen kam die gleiche Aussage: Wir haben die Frau nie gesehen. Nur der Mann, Max Köcke kam ab und an mit dem Pferdefuhrwerk ins Dorf, machte Besorgungen und saß auf dem Tritt vorm Haus auf ein Schwätzchen nach getaner Arbeit mit den Bauern. Wer hat Emy gesehen? Hilde Winkel aus Gutengermendorf, die Schwester von Arthur Möllendorf, lebt jetzt in einem Altersheim in Berlin, kannte auch nur Max Köcke. Frau Ilse Gottschalk geborene Dulitz vom Kraatzer Plan, 91-jährige Ureinwohnerin von Kraatz kann sich erinnern, dass Max Köcke oft bei ihnen anhielt und immer eine große Schüssel Suppe vertilgt hat.



Von Brunhilde Wudick erfuhr ich, dass die Eltern von Emy aus Nordrhein/ Westfalen stammen. Die Mutter von Brunhilde Wudick war Martha Erdmann geborene Dulitz. Auf ihrem Landwirtschaftsbetrieb arbeiteten viele Leute mit. Unter anderem ein Fräulein Michael, Flüchtling aus Breslau, die Kontakt zu Ziethmanns hatten. Ziethmanns von de Brück' wohnen ebenso zwischen Kraatz und Buberow, gegenüber von Köckes Haus, Luftlinie ungefähr 500m. Erika Ziethmann geborene Eichhorst aus Ribbeck ist erst 1960 nach Kraatz gezogen. Ihre Schwiegermutter Emma Ziethmann lud Max Köcke zur

Hochzeit von Erika und Horst ein. Wer hat Emy gesehen? Ich rief Frau Erika Haase aus Neuhäsen an: Sie war das Hausmädchen bei Köcke. Allerdings war sie erst in dem Haushalt tätig, als Emy gestorben war. Sie war damals noch ein Schulmädchen und verrichtete häusliche Arbeiten. Frau Haase ist die Schwester von Inge Dulitz. Die Oma von Inge Dulitz wohnte im Vorderhaus von Köckes Grundstück, Buberower Weges 58 und hieß Frau Lange. Bei Inge Dulitz und ihrem Sohn Gerhard durfte ich mir ein Bild ihres Hauses, gemalt von Max Köcke-Wichmann im Jahr 1959, anschauen. Sie sagte, dass dies eine Auftragsarbeit von Herta und Ewald Dulitz war und Köcke über fünf Jahre an diesem Bild gemalt hat und seine Staffelei immer wieder auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufgestellt hat. Während Schaffensprozesses ist das alte Ehepaar Dulitz verstorben und somit sind keine Personen auf dem Bild zu sehen. Zur Hochzeit der Eltern wurde Max Köcke eingeladen und war Gast der Feierlichkeiten. Das Bild hat der Granseer Kunstmaler Eitz noch einmal abgemalt und das hängt bei Onkel Dulitz. Wer hat Emy gesehen? Gerhard Gädicke wohnte im Haus neben Ziethmanns. Ihn besuchte ich in der Vogelsangstraße in Gransee. Er wohnte nur bis 1948 in Kraatz und ging dann nach Berlin. Er wusste zu berichten, dass Max Köcke-Wichmann nach dem Tod seiner Frau Emy für eine kurze Zeit nach Berlin zurück ging. Wer hat Emy gesehen? Ich besuchte Edith und Reinhold Mewes in Buberow.

Die Oma von Frau Mewes, Martha Bolze, hatte eine Milchkühlerei in Kraatz, auf dem jetzigen Hof von Familie Backs. Von ihr kennt Frau Mewes viele Kraatzer Geschichten. Sie ist die einzige Zeitzeugin, die mir sagen konnte: Emy hatte kurze dunkle Haare. Und möglicherweise war Köcke-Wichmann schon vor dem Krieg in Kraatz mit den Jagdpächtern aus Berlin. Ein kleines Atelier soll wohl schon in früheren Zeiten dagewesen sein. Das könnte meine Frage klären, warum Emy und Max sich nach 1945 als Evakuierte aus Berlin-Charlottenburg ausgerechnet in Kraatz niederließen. Das alte Haus am Buberower Weg gehörte Ziethmanns und Metzenthins bewohnten es. Das Künstlerpaar übernahm das Haus oder kaufte es. Auf dem Hinterland baute Max dann das neue Wohnhaus mit Atelier. Hier könnte noch ein Gespräch mit Ziethmanns Aufklärung bringen.


Wer hat Emy gesehen? Sehr schnell hat unser Pfarrer Tobias Ziemann reagiert und mir Auskunft aus dem Taufregister gegeben. Am 4. August 1902 erblickte Emilie Köcke geborene Potthoff in Lünen/ Westfalen das Licht der Welt. Verstorben ist sie am 18. Juli 1953 im Städtischen Krankenhaus in Zehdenick an Herzschwäche nach einer Darmoperation. (Es kursiert die Aussage in Kraatz: verstorben nach einem Darmverschluss oder einer Lebensmittelvergiftung) Pfarrer Peter Groß bestattete sie drei Tage später am 21. Juli auf dem Kraatzer Friedhof. Im Taufregister ist vermerkt, dass die Grabstelle eine Erbbegräbnisstätte ist. Das könnte bedeuten, dass Köcke-Wichmann familiäre Anbindung hier hatte, oder das Erbbegräbnis gekauft hat.

Das Künstlerpaar hatte keine Kinder. Da gäbe es noch Forschungspotential. Vermerkt sind auch folgende Worte aus der Bibel, die Pfarrer Groß zur Beerdigung ausgewählt hat: Buch Jesaja Kapitel 55 Vers 8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr. Buch Johannes Kapitel 13 Vers 7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Bruno Max Köcke-Wichmann ist am18.02.1962 zu Hause gestorben und wurde ebenfalls von Pfarrer Peter Groß am 22.02.1962 beigesetzt.

Auf dem Grabstein steht noch folgendes Gedicht: Inschrift auf dem Sockel Solange Blumen noch Warum muß man einst werden? in meinem Garten blühen, Warum muß man dann fort? will ich sie auf Dein Es ist wohl nicht auf Erden, Grab dir legen, für uns der richt´ge Ort. damit, wenn du im Wir können´s nicht ergründen. Geist hier wirst vorüberziehen Wir können´s nicht verstehn. sie sehen sollst, bei Wir müssen uns abfinden Sonne, Sturm und Regen. Mit Werden, Sein-Vergehn. Vergleichen könnte man die Art des Gedichtes mit Werken der deutschen Schriftstellerin Agnes Miegel oder Rainer Maria Rilke. Das Versmaß ist jedoch zu unregelmäßig. Es könnte also gar ein Gedicht von Emy selbst sein. In unserem Granseer Heimatmuseum gibt es zwar einige Bilder von Max Köcke-Wichmann, über Emy erfährt man jedoch nichts.


Außerdem schrieb ich acht Personen mit dem Namen Potthoff in Berlin an und fragte, ob sie eventuell Nachfahren von Emy sind. Zwei Personen antworteten, dass ihre Familien aus dem Münsterland und Schöppingen in Westfalen stammen. Ich nahm den Namen Potthoff auseinander: Pott heißt größere Tasse oder Topf. Hoff ist eine Ortschaft im südlichen Nordrhein-Westfalen und wurde 1454 erstmals urkundlich erwähnt. Potthoff ist also ein typischer Name für den Ruhrpott. 1826 prägte die Eisenhütte "Westfalia" als erstes Industrieunternehmen im Bergbau nachfolgend den Lüner Raum bei Dortmund. Emy ist 1902 geboren, ich nehme an, dass die drei Arbeiten aus den Zwanziger Jahre sind, auf denen sie sich mit dem Leben der Hüttenarbeiter auseinandersetzt. Möglicherweise lernte sie ihren Mann Anfang der Zwanziger Jahren kennen. Diese beiden Bilder sind meiner Meinung nach eine Schenkung von einem Familienmitglied Köcke- Wichmanns an sie, beide datiert mit dem 6.10.1926. Die Monogrammierung zeigt unter anderem ein "W". Diese farbigen lebensfrohen einfachen Malereien fanden sich in den Zeichenmappen vom Dachboden des Hauses. Sie lehnen sich in Ausdruck und Darstellung der Kleidung an die Goldenen Zwanziger Jahre an, die für den wirtschaftlichen Aufschwung und die Blütezeit der deutschen Kunst, Kultur und Wissenschaft zeichnen. Max Köcke-Wichmann war ein Liebermannschüler und Meisterschüler im Atelier von Professor Ulrich Hübner.

Der Impressionist nahm an der Großen Berliner Kunstausstellung 1924 und 1926 teil. Passend zum Abschluss dieser Epoche scheint die Medaille aus dem Jahr 1929. Auf der Vorderseite ist zu lesen: Schüler, den Tempel der Kunst ersteigend. Auf der Rückseite: VEREINIGTE STAATSSCHULEN FUER FREIE UND ANGEWANDTE KUNST Möglicherweise war Emy Mitglied dieser Schule in Berlin-Charlottenburg. Um 1930 waren an den Vereinigten Staatsschulen etwa 300 Studierende eingeschrieben, die gemeinsame Klassen und Werkstätten besuchten, so z.B. Kunstgeschichte, Zeichnen, Schrift, Anatomie, Perspektive, Malerei, Druck. Der Widerspruch zwischen Kunst und Handwerk sollte überwunden werden und die Kunst stärker in den Alltag der Bevölkerung Eingang finden. Bekannte Kommilitonen an der Schule waren Fritz Crämer (Buchenwald-Denkmal), Gustav Seitz (Käthe-Kollwitz-Denkmal), Elisabeth und Kurt Schumacher. Berühmte Lehrkräfte u.a. Lore Feininger (Tochter von Lionel F.), Arno Breker und Wilhelm Gerstel. https://de.wikipedia.org/wiki/Vereinigte_Staatsschulen_für_freie_und_angewandte_Kunst


Im April 1933 übernahm der NS-Funktionär Max Kutschmann das Direktorenamt, zerschlug die Strukturen der Weimarer Zeit und sorgte dafür, dass bis 1936 jüdische und regimekritische Lehrkräfte entlassen wurden. 1939 erfolgte die Umstrukturierung zur Staatlichen Hochschule für bildende Künste. Emy Köcke Potthoff nahm gemeinsam mit ihrem Mann 1938 an der Großen deutschen Kunstausstellung 1937-1944 im Haus der Deutschen Kunst in München teil. Die Bronze heißt: Hessischer Leibdragoner und ist aufgeführt in einem Werk von Ines Schlenker "Hitlers Salon" Seite 236 Gemeinsam mit anderen Künstlern ist sie in Hitlers "Gottbegnadeter Liste" aufgeführt. 1945 wurde die Wohnung und das Atelier des Künstlerpaares in Berlin-Charlottenburg ausgebombt. Dadurch wurde höchstwahrscheinlich ein großer Teil des Schaffens des Künstlerpaares zerstört. Nach 1945 zogen sie sich in ihr Refugium auf dem Land zurück. Das Haus liegt nicht in Kraatz und nicht in Buberow, eben dazwischen. So hatten beide Künstler die Weite der Landschaft zur Entspannung, die Natur als Vorbild und fanden in der Zurückgezogenheit Inspiration für ihr weiteres Schaffen und Leben. Max Köcke-Wichmann Emy Köcke-Potthoff 19.4.1889 – 18.2.1962 4.8.1902 – 18.7.1953 Kunstmaler Bildhauerin 


Köcke-Potthoff, Emy: Preismedaille 1929

Medaille

Medaille1
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Medailleurin: Emy Köcke-Potthoff
Vorderseite: Schüler, den Tempel der Kunst ersteigend. Zu den Seiten die Personifikationen der bildenden Künste.
Rückseite: VEREINIGTE STAATSSCHULEN FUER FREIE UND ANGEWANDTE KUNST     
1929. Fünfzeilige Zweckinschrift.
Unten die Signatur als Monogramm aus EKP.
Datierung: 1929
Rand: 29. 19. 3
Material: Bronze
Durchmesser: 75 mm
 
Bemerkung: Guss, zweiseitig. Hersteller: Bildgießerei Noack (drei Grüsse). Randpunzen, 29. 19. 3.
Nachweise: Münzkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Objektnummer 18217564

100. Jahre Königin Luise


                 K
önigin Luise                       
                                                              Gedächtnisfeier                      

                                                     am 25. und 26.07.1910

                                                                 Fest=Bericht
                                                                     Erfasser vom Ortsausschuß

luise 

Verlauf

Montag, den 25.Juli 1910

Abends 7 Uhr: Gemeindeabende mit Vorträgen, Vorführungen, Deklamationen in den verschiedenen Sälen der Stadt
Abends 9 ½ Uhr: Gemeinsamer Zug unter Fackelbeleuchtung. Feier am Königin Luise=Denkmal.
Dienstag, den 26.Juli 1910

Morgens 7 Uhr: Glockengeläut

Vormittags ¼ 11 Uhr: Versammlung auf dem Klosterplatze
Vormittags ½ 11 Uhr: Gedächtnisgottesdienst in der St. Marien=Kirche,
Predigt: Herr General=Superintendent D     Koehler=Berlin.

                                            Darauf:

Zug zum Denkmal. Festakt: Prolog, Gesänge, Ansprachen, Kranzniederlegung

Zur Mittagsstunde: Zwangloses Beisammensein im „Hotel zur Krone“.

Nachmittags 3 Uhr: Schulfeier im Walde unter Beteiligung.

Der Ehrenausschuß:

         Von Conrad,                                                                                              Freiherr von Manteuffel,                
 Ober Präsident der Provinz Brandenburg                                                     Wirtl. Geheimer Rat,Landesdirektor,
             Exzellenz, Potsdam                                                                                       Exzellenz, Berlin
                                                                                                                     
                  
                                                                                                                                  D. Koehler 
        von der Schulenburg                                                                             General=Superintendent, Berlin
Regierungs-Präsident, Potsdam.

          Dr. jur. Bernus,
Landrat des Kreises Ruppin 


            Neuruppin                                               von Graevenitz,                               von Winterfeld
                                                              Landrat des Kreises Westprignitz         Landrat des Kreises Ostprignitz
                                                                               Perleberg                                       

                                                                          Der Ortsausschuß:

Leue                                                                  Pfannschmidt                                   Schmidt
Bürgermeister                                                    Superintendent                                 Amtsrichter
Brexendorf                                                         Dosske                                             Draeger
Pfarrer                                                               Drogist, Stadtverordneter                   Gutsbesitzer
                                                                                                                                 Stadtverordneten=Vorsteher

               Meinhardt,                                                                     G.Senss
               Rektor                                                                             Beigeordneter


 

Luise1.jpg neuFür die Stadt Gransee war die hundertjährige Wiederkehr des Todestages der Königin Luise Anlass zu einer besonderen Gedenkfeier. Auf ihren Reisen in die Mecklenburgische Heimat rastete die Königin stets in dieser Stadt, und die Herzen der Einwohner schlugen ihr immer ganz besonders warm entgegen. Auch auf der letzten Reise, da man die entseelte Königin mit gebrochenen Herzen und geschlossenen Augen zur Beisetzung nach Berlin geleitet, ruhte sie in der Nacht vom 25. Zum 26. Juli in den Mauern Gransees. Dreißig Bürger hielten unter dem matten Licht der Fackeln die Ehrenwacht. Schon ein Jahr darauf erhob sich an dieser Stelle, errichtet durch die dankbare Liebe der Stadt und der umliegenden Kreise, nach Schinkels Entwurf ein Denkmal, das die Erlebnisse jener Nacht in der Erinnerung festhalten sollten: unter einem Baldachin ruht der Sarkophag, an dessen Seiten wehmutige Inschriften an die große Liebe gemahnen, die Luise hier besessen hat und noch heute Besitz. Der Gedanke an eine besondere Erinnerungsfeier tauchte lebendig aus der Mitte zur Bevölkerung hervor. Die Bürgerschaft konnte mit Hilfe der Behörden der Stadt, des Kreises und der Provinz der Königin Luise=Gedächtnisfeier ein würdiges Gepräge verleihen.

Montag, den 25. Juli 1910.

Die Stadt Gransee prangt im Festgewand. Die Bürgerschaft hat Straßen und Häuser reich geschmückt. Ausgezeichnet durch Ehrenpforten, Fahnen und Girlanden sind die Tore der Stadt, besonders das alte Ruppiner Tor. Eigenartigen Schmuck trägt der Luisenplatz, inmitten das Königin Luise-Denkmal. Für die Ehrengäste ist zwischen und der Friedrich-Wilhelm-Straße ein Empfangszelt errichtet. Vom Kirchturm herab wehen preußische Fahnen.
Abends 7 Uhr: Gemeindeabende. Gesangsvorträge, Deklamationen, Lebende Bilder, Vorträge über das Leben der Königin Luise, veranstaltet von den Vorständen.
a) der Schützengilde, des Gesangsvereins Harmonie, der freiwilligen Feuerwehr im Saal des    
     Schützenhauses; Vortrag: Pfarrer Wetzel-Schulzendorf
b) des Kriegsverein, Militärverein und des Gesangvereins Loreley im Saal
     des Gesellschaftshauses Reth; Vortrag: prakt. Arzt DR. Reich
c) des Landwehrverein, des Gesangsverein Concordia, des Turn und Radfahrverein in Metzetins Saal;  
   Vortrag: Lehrer Zahn
d) des Bürgervereins, des landwirtschaftlichen Verein, des Verschönerungsvereins, des Kavallerie
   Vereins, des Vaterländischen Frauenvereins und des Vereins Frauenhilfe im Saal der „Krone“.
   Vortrag: Pfarrer Brerendorff.


 

Abends ½ 10 Uhr, Illumination und Fackelzug. Die Illumination war allgemeine. Selbst die kleinsten Häuser zeigten Lichterschmuck. Zum Fackelzugsammelte man sich vor dem Ruppiner Tor. Voran 1. Und 2. Knabenklasse, dann die Stadtkapelle (Held) Ehrengäste und Behörden, in langem Zuge die Vereine mit ihren Fahnen, von 200 Fackeln begleitet. Der Zug bewegt sich durch die Friedrich Wilhelm-Straße, Templiner Straße, Mauer-, Bau-, Klopfer-, Hirten-, Mauer-, Vogelsang-, Grünstraße zum Luisenplatz. Hier nehmen die Korporationen Aufstellung um das Luisen - Denkmal.

I.

Feier am Luisen – Denkmal.

Gesang der vereinigten Männergesangvereine unter der Leitung des Kantors Schröder:

Gelübde an der Königin Luise.

Rotglühend um kosen
süßduftende Rosen,
Luise, du Hehre, dein liebliches Bild!
Zum Preis ihr mög‘ klingen
Und himmelwärts bringen,
Was unser frohglühender Herzen entquillt!
Dir mehr und mehr gleichen,
Dein Vorbild erreichen,
Sein immer uns heiliges, hohes Gebot.
Dein Lieben, dein Traum,
Dein gläubiges Schauen,
Auch uns half es Siegen ob Trübsal und Not.
Was mutig mit blutigen
Opfern gewonnen
Die Helden der Freiheit, wir schirmen es gut.
Es sprosse, es werde!
Es blüh‘ deutsche Erde!
Gott halte sie ewig in sichere Hut!
                               ged. v. U. Grüttner, komp. Franz Wagner.

Ansprache des Superintendenten und Oberpfarrer G. Pfannschmidt:
Freunde, Deutsche Männer und Frauen Preußen! Vor 100 Jahren standen zu dieser Stunde und an dieser Stätte Eure Großväter mit Fackeln in den Händen, in tiefer Trauer an der Bahre der geliebten Königin die Ehrenwache haltend. Nacht war es ringsum. Nur ein spärliches Licht gab der Fackel Schein. Nacht war es in aller Herzen. Warum war der Schmerz si tief, die Klage so laut?
Geschlossen waren die Augen, die dem Volk geleuchtet hatten in dunklen Tagen, es stand das Herz, das für jedermann schlug, das Herz, von dem alle Preußen wußten: all unter Sehnen und Ringen nach Freiheit ist ihr eignes Verlangen, unter Weinen und Seufzen unter der Schmach ist ihr eigener Schmerz.

Das Herz gebrochen. Das größte Opfer für das Glück ihre Kinder, für die Ehre ihre Königlichen Gemahls, für das Wohl ihres Volkes hat dieses Herz gebracht. Die Königin-tot. Dunkle!
   Nach 100 Jahren stehen wir wieder zu nächtlicher Stunde, aber in großen Scharen, an dieser Stätte. Dies Denkmal erinnert dauernd uns an jene dunkle Nacht des Trauerns. Wie damals die Väter, haben auch wir Fackeln angezündet. Wenn es nach uns ginge, zündeten wir ein Feuer an, dessen Flammen im weiten Lande zum Tage machte. Ergriffen stehen wir hier, ergriffen von Gottes wunderbarer Führung. Der Herr hat Großes an uns getan. „Durch Nacht zum Licht!“ war Gottes Weg mit unserem Volke.

Darum muß Dank der Grundton dieser Stunde und unserer ganzen Feier sein!
Es ist keine Jubelfeier, es soll das Gedächtnis an ein Sterben sein; und jeder soll daran erinnert werden, wie herrlich ein Sterben ist, wenn die Seele sich legen kann in Gottes erbarmende Hände unter dem Seufzer, den die sterbende Königin flehte: „Auch Gott, Herr Jesus, erbarme Dich, verlass mich nicht, Herr Jesus, mach es kurz!“ Ein herrliches Ende – mitten in der Nacht!

Einst standen in mitternächtlicher Stunde König und Königin und Kaiser Alexander von Rußland am Sarge Friedrich des Großen. Sie reichten sich die Hand zu treuem Bündnis in der Hoffnung auf den Anbruch eines neuen Tages, ein jeder für sein Volk. Sie ahnten nicht die Nähe dunkler Wolken, die mit den Niederlagen bei Jena und Auerstädt über das Land dahin zogen, die wilden Stürme, die Preußens Herr und König nach Osten trieben. Nacht war es, als die Königin über die Kurische Nehrung flüchten mußte. „ So hat noch keine Königin die Not empfunden.“

Am Neujahrstage nach Jena trat der 10 jährige Prinz Wilhelm zum ersten Mal in der Uniform eines preußischen Soldaten an das Bett kranken Mutter. Er trug des Königs Rock, mit Lorbeeren geziert durch die Ruhmestaten des großen Königs. Die Lorbeeren – verwelkt, vom Feinde mit Füßen getreten; aber der dort vor der Mutter stand, war der Sohn der Königin, der in unvergleichbarem Siegeslaufe des „Königs Rock“ wieder zu Ehren gebracht hat, daß wir nun alle stolz sind, des Königs Rock getragen zu haben.

Die Mutter konnte damals den Prinzen nur mit Wehmut anblicken. Noch tiefere Nacht gabs in Tilsit. Bei allem Glanz, den Menschenaugen schauten, eine Nacht, in der die Königin sich am tiefsten demütigen sollte vor dem satanischen Ungeheuer. Und doch stand stand Sie nie größer vor der Welt als in dieser Stunde. „Preußen ist nicht mehr, wir haben alles verloren!“ „Könnte ich noch einmal meine Freunde glücklich und die Tränen der weinenden Familien getrocknet sehen!“ klagt die Königin. Wo ist da noch Licht?

Ja, es war noch Licht da in Ihrer Seele, Licht von oben. Ihre Hoffnung war der lebendige Gott: „Gott kann uns nicht verlassen, es nicht möglich.“ Und die Königin baute auf die Treue ihres Volkes. Sie erblickt Licht in der Zukunft. Mit dieser Hoffnung ist sie nicht zu Schanden geworden.
     Durch Nacht zum Licht ging der Königin Weg. Durch Nacht zum Licht-das war auch unser Volkes Teil. Darum Dank! Danket dem Herrn, der Herr hat Großes an uns getan, an unserm Preußenvolk, an unserm deutschen Volk. Wohl uns, daß wir Preußen sind!

Ihr Frauen und Jungfrauen! In der Königin Luise seht Ihr ein Frauenherz, das sich für andere ganz dahin gab und dadurch stark wurde. Ihr Männer und Jünglinge! Die Verehrung der Königin Luise lehrt uns, was wir den Frauen schulden. Wir alle lernen aufs neue den Weg Gottes: Im Leben gilts ein Sterben, damit unser Sterben ein Leben werde! Durch Nacht zum Licht. Amen!

Sogleich ertönte Männerchor:
                                                                                          Gebet.
            Es schweigen die Geschütze,                                        Sie blicken auf die Braven,
            Geschlagen ist die Schlacht,                                         Die dort die Kugel traf,
            Und wieder ziehn die Sterne                                       Und die als Sieger ruhen
            In ihrer alten Pracht.                                                     Zu ewigem Todesschlaf.
               Noch gestern mild sie blicken                                   Mein Gott, nimm die Gefallnen
               Auf blühnde Nun herab,                                            In deine gnädge Hand;
               Und heut auf blutge Felder,                                      Sie starben für den König
               Ein einzig großes Grab!                               Und für das Vaterland.
                                                                    
                                       ged. V. Udalbert Beyßel. Komp. v. Rudolf Tschirch

Die Versammlung stimmt an:

                           Ich bete an die Macht der Liebe;
                           Die sich in Jesu offenbart;
                           Ich geb´ mich bin dem freien Triebe,
                           Mit dem ich Wurm geliebet ward.
                           Ich will, anstatt an mich zu denken,
                           Ins Meer der Liebe mich versenken.
Indem der Ton des Liebes verhallt, beginnen die Glocken der Kirche zu läuten. Die Bevölkerung geht still auseinander. Bald auch erloschen die Lichter an den Fenstern.



 
Dienstag, den 26. Juli 1910

Früh 7 Uhr, zu der Stunde, da vor 100 Jahren die Leiche der verewigten Königin unter Glockengeläut zur Stadt hinausgeleitet wurde, wird der Tag mit drei pulsen eingeläutet. Um 8 Uhr werden, von der hiesigen Stadtkapelle und der Neustrelitzer Bataillonskapelle geleitet, die auswärtigen Kriegervereine aus Keller, Guten Germendorf, Kraatz, Gr. Mutz, Alt-Lüdersdorf, Rönnebeck, Sonnenberg, Grüneberg, Neu-Ruppin, Königstädt, Schulzendorf und Löwenberg, Verein ehemaliger Matrosen der kaiserlichen Marine, Berlin, eingeholt. Um 9 Uhr ordnet sich der Festzug auf dem Klosterplatz.

Der Zug bewegt sich durch die Schulstraße zur Kirche: Voran die Neu-Strelitzer Kapelle, sodann 40 Ehrenjungfrauen, Mitglieder des Vaterländischen Frauenvereins und des Frauenhilfe, die Behörden der Stadt, 30 Geistliche; ihnen folgten die Korporationen. Die Fahnensektionen nahmen zunächst vor der Kirche Aufstellung. Unter den von außerhalb anwesenden Ehrengästen seien erwähnt: der Oberpräsident der Provinz Brandenburg Exzellenz von Conrad-Potsdam, der Regierungspräsident von der Schulenburg-Potsdam, der Präsident des Evangelischen Ober-Kirchenrates Exzellenz Voigts-Berlin, der Konsistorialpräsident Steinhaufen-Berlin, aus dem Kreis Ruppin der Landrat Dr. Bernus, Wirkl. Geheimrat Exzellenz D. Graf Zieten-Schwerin-Wustrau, Major von Quast-Radensleben, Rittergutsbesitzer-Barsikow, der Ladgerichtspräsident Nöel-Neu –Ruppin, der Erste Staatsanwalt Bürfkle-Neu-Ruppin, der Regimentskommandeur v. Gothen Neu-Ruppin, der Bezirkskommandeur v. Bülow-Neu Ruppin, der Superintendent Schmidt-Neu Ruppin, sowie die Bürgermeister der Städte Neu-Ruppin, Lindow und Rheinsberg.

Aus dem Kreise Westprignitz Landrat von Graevenitz-Perleberg, aus dem Kreise Templin Superintendent Schuchardt-Templin. S. Kgl. Hoheit der Großherzog von Mecklenburg Strelitz hatte mit seiner Vertretung den Oberst von Wussow-Neu-Strelitz betraut. Um ½10 Uhr traf, von der spalierbildenden Schuljugend freudig begrüßt, Seine Königliche Hoheit der Prinz August Wilhelm von Preußen in Vertretung seiner Majestät des Kaisers, von zwei Adjutanten begleitet, im Automobil vor der Kirche ein. Derselbe wurde von den Spitzen der Behörden, sowie vom Magistrat und den Stadtverordneten am Eingange der Kirche empfangen. Prinz August Wilhelm nahm mit den Ehrengästen im Altarraum Platz. Die Fahnensektionen stellten sich um den Altar her auf.


                                                                                            II.

                                               Der Gedächtnisgottesdienst.

Der Kirchenchor sang die beiden ersten Verse des Niederländischen Dankgebetes:
„Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten“; in den dritten Vers: „Wir loben Dich oben, Du Lenker der Schlachten“ stimmte die Gemeinde, von den Posaunen unterstützt, kräftigt mit ein. Es folgte das Eingangslied der Gemeinde: „Sollte ich meinen Gott nicht singen“ und „Weil den weder Ziel noch Ende“.
Die Liturgie hielt der Oberpfarrer Superintendent Pfannschmidt. Eingangsspruch: Das Gedächtnis der Gerechten bleibet in Segen. Sei getreu bis an den Tod, so will ich Dir die Krone des Lebens geben. Gebet: Wir danken Dir, allmächtiger Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi, daß Du in schwerer Zeit des Königs und der Königin einziges Licht, unseres Volkes einzige Zuflucht gewesen bist, daß Du das Gedächtnis an die Königin Luise unserm Volke hast zum Segen sein lassen von Geschlecht zu Geschlecht. Laß uns auch heute erkennen, daß Du demütigst, um zu erhöhe, daß Du im dunklen Tal unser Hirt und Hüter sein willst. Wende Du unsre Herzen zu Dir und laß König Wolf – vor Dir vereint – in Buße und Glauben Dir dienen in Ewigkeit. Amen! Schriftverlesung: 1. Petr. 5.5 – II. Darauf sang der Chor die Motette von Blumenthal-Frankfurt a.D. „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“. Die Gemeinde stimmte das Hauptliedan:

„Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“, „Ich rief zum Herrn in meiner Not“, „der Herr ist noch immer nicht von seinem Volk geschieden“. Die Predigt hielt der Generalsuperintendent der Kurmark D. Koehler-Berlin über den Text: Ebr. 13, 7:
„Gedenkt an Eure Lehrer, welche Euch das Wort Gottes gesagt haben. Ihr Ende schauet an und folget ihrem Glauben nach“
In den Tagen, wo die Trauerkunde von dem so frühen Hinscheiden der herrlichen Königin Luise sich verbreitete, wo die entseelte Hülle, der wunderschönen Frau durch die märkischen Städte auch durch Eure Stadt, geleitet wurde, zur letzten Ruhe – da zuckte tiefes Weh durch die Herzen des ganzen Preußenvolks. „Rose, schöne Königsrose, hat auch Dich der Sturm getroffen?“ klang die Klage aus Dichtermund. Alle fühlten mit dem Schmerz des Schwergeprüften Königs, der der Entschlafenen an ihrem Sterbebett noch bekannt hatte: „Es kann nicht Gottes Wille sein, uns zu trennen, denn durch Dich allein hat das Leben noch Wert für mich.“ Alle empfanden den unersetzlichen Verlust, den dieser Tod für das Vaterland bedeutete.

Heute nach hundert Jahren fühlen wir wohl auch noch die tiefe Tragik, die über dem Leben, Leiden und Sterben dieser Königin liegt – aber wir haben inzwischen Gottes Fügungen mit unserm Vaterland erlebt, seine Absichten verstanden. Wir klagen nicht mehr bloß, daß er sie uns nahm, sondern wir danken dem Lenker der Weltgeschichte, daß er uns diese Königin gegeben hat in schwerer Zeit. Wenn unser Text sagt: gedenkt an eure Lehrer, - an eure Führer, wie es eigentlich heißt, - die euch das Wort Gottes gesagt haben, so fühlen wir, das gilt auch von Luise. Sie ist ihrem Volke eine Führerin gewesen. Sie hat auch dem Geschlecht unserer Tage noch viel zu sagen. Zwei Dinge lehrt sie uns, die so einfach sind, daß ein Kind sie kann, und die doch so schwer sind, daß sie dem starken Mann und der gereiften Frau ein Ziel bleiben, das keiner je voll erreicht- sie lehrt uns liebhaben und glauben.

Gedenkt an eure Lehrer, sagt der heilige Mann und denkt gewiß dabei an die Apostel, die Evangelisten, die berufsmäßigen Prediger des Evangeliums. Aber wenn am jüngsten Tage die Millionen der Seligen einst gefragt werden, wer sie am herzgewinnendsten den Weg zu Gott gewiesen hat, dann werden ungezählte Männer und Frauen bekennen: das war meine Mutter. Und solche eine Mutter ist Luise ihren Kindern, ihrem Volke gewesen. Es braucht nicht immer der Worte, um das Evangelium zu verkünden. Es gibt auch eine stille Sprache, die gewaltig redet. Die mächtigste Predigt ist die Tat. Wir sagen von unserm Herrn Jesu nicht nur, daß er Gottes Wort verkündet hat, sondern wir nennen ihn selbst „das Wort Gottes“, weil an diesem Manne alles predigt: sein Mund, seine wundertätigen Hände, sein Leben, sein Leiden, sein Sterben.

Aber wenn Du fragst, ob er mehr gewirkt durch seine gewaltigen, holdseligen Reden oder durch sein wortloses stilles Leiden am Kreuz – ich bin gewiß, der stille Mann mit der Dornkrone, der Gottes Willen geduldig erfüllt und seinen Geist in seines Vaters Hände befiehlt, der ist der Sieger, dem die Welt zu Füßen fällt. Und was hat er gepredigt mit Wort und Tat? Sein Jünger Johannes faßt es in den kurzen Satz: Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt in Gott und Gott in ihm.

Nun wird niemals ein Mensch sie lieb haben können wie das heilige Kind Gottes. Aber Paulus hat doch recht, wenn er sagt: Gott hat einen hellen Schein in unseren Herzen gegeben, auf daß durch uns entstände die Erleuchtung von der Klarheit Gottes im Angesicht Christi, das heißt: Wenn Gottes Liebe in ein Herz fällt, dann ists, als wenn der Sonnenglanz in einen Spiegel scheint. Der dunkle Spiegel strahlt das Licht wieder an und fängt an zu leuchten, als wenn er selbst eine Sonne wäre. Solch ein Herz hat die Königin Luise gehabt. Die Liebe Jesu strahlte aus ihm und sie konnte wie Wenige die Kunst, Alle zu beglücken, die in ihre Nähe kamen. In der aufrichtigen, ehrlichen, selbstlosen Liebe lag zuletzt der geheimnisvolle holde Zauber ihrer Persönlichkeit. Sie liebte ihren Nächsten.

Und das waren für sie ihr Gemahl und ihre Kinder. Sie war die treuste Gattin, die sorglichste Mutter. „Den besten aller Männer“ hat sie ihren Gemahl genannt. „Gott, welche Freude!“ hat sie noch in der Todesnot gerufen, als Friedrich Wilhelm an ihr Sterbebett eilte. Und dabei ist es beiden nicht leicht geworden, sich in einander einzuleben, denn sie waren sehr verschiedener Natur. Aber sie waren Christen und wollten einander verstehen. Und da haben sie dann ihrem Lande das Vorbild einer unsäglich glücklichen Ehe gegeben. Welche eine stille Predigt die Tat vom Throne! – Und wie hing Luisens Herz an dem reichen Kranz ihrer Kinder, die sie umgab! „Ich bitte Gott täglich,“ schreibt sie einmal, „daß er sie segnen guten Geist nicht von ihnen nehmen möge.“

Und wie hat sie sie gemahnt, daß sie gute Menschen werden möchte! – Aber neben der Sorge für die Familie stand bei ihr das Mitleid mit den Armen. „Nun werde ich nicht mehr meine kleinen Wohltaten so ängstlich zu zählen brauchen“ sagte sie, als sie, als sie Königin wurde. Und wie einst ihr Schwiegervater ihr eine Bitte frei stellte, da bat sie ihn um eine Hand voll Gold für die Armen. Ja selbst in den schweren Tagen von Königsberg, wo sie selbst mit der ganzen königlichen Familie in fast dürftigen Verhältnissen lebt, war Wohltun ihre Freude. Sie hatte die Menschen lieb. Was war sie für eine Patriotin! Unter der Schmach von Jena hat sie tief gelitten. „ Werdet Männer, “ mahnte sie ihre Söhne, „daß sie ihre Söhne,“ daß ihr würdig werdet des Namens von Prinzen und Enkel der großen Männer eures Hauses.“ Mit blutendem Herzen unterzog sie sich der Demütigung, den harten Kaiser Napoleon um Gnade für Preußen zu bitten.

Die letzte Krankheit hätte sie nicht dahin gerafft, wenn der Gram um das Vaterland nicht an ihrem Leben gezehrt hätte. Sie hat ihr Volk geliebt bis in den Tod. Welch eine Predigerin ist die herrliche Frau noch unsern Tagen, die ein vergiftender Hauch der Selbstsucht, der Vergnügungssucht und der Unzufriedenheit durchweht, wo ein Teil der Frauenwelt die Ehe als eine drückende Fessel ansehen möchte, wo die Bande der Familie und der Ordnung sich zu lockern beginnen, wo eine nach Millionen zählende Partei die Vaterlandslosigkeit auf ihre Fahne schreibt. Laßt uns lernen, was Luise gepredigt hat: Das Vaterland kann nur durch die Guten gerettet werden. Gute Menschen wollen wir sein und unsere Familie, unser Volk, unser Vaterland leblos und treu lieb haben wie diese große Lehrerin auf dem Königsthron.

Nun ist es sehr leicht zu sagen: Du sollst lieb haben. Dazu gehört Selbstüberwindung, gehört Kraft. Woher bekommen wir diese? Nur daher, von wo sie unsere Königin zufloß: aus der Religion. Wer dem Heiland nachfolgen will in der Liebe, der muß Glauben haben. „ Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an und folget ihrem Glauben nach“. Der Glaube ist wie eine Hand, die sich in Gottes Hand legt. Wer glaubt, kann sagen: „Der Herr hält mich“. Da wird das Herz fest. Solcher Glaube ist nicht gleich fertig da im Menschen. Wie eine Pflanze ein Sonnenschein und Sturm, wächst er unter den Führungen Gottes. Auch bei Luise ist er gewachsen. Sie ist wohl immer ein frommes Kind gewesen. Wie ernst hat sie es mit ihrer Konfirmation genommen. „ Gott schenke mir Kraft“, schrieb sie im Tagebuch „zu erfüllen, was ich heute gelobt habe“.

Aber der lebensfrohen, alles harmlos fröhlich nehmenden Jungfrau ist der felsenfeste Glaube auch erst der Halt geworden im bitteren Leid. Rührend ist ihr Gottvertrauen, mit dem sie, von schwerer Krankheit kaum noch genesen, bei eisigen Schneestürmen die denkwürdige Flucht über die kurische Nehrung wagt: „ ich will lieber in Gottes Händen fallen, als dieser Mensch“. „Bester Vater“, schreibt sie mitten im tiefsten Unglück, „ich bin überzeugt, es wird noch einmal alles gut werden – wenden wir nur unsrer Blicke zu Gott, der uns nie verläßt, wenn wir ihn nicht verfallen“. Und wahrhaft ergreifend heißt es in einem anderen Briefe: „ich bin zu einer Seelenruhe und zu einem innern Frieden gelangt, die mich hoffen lassen, daß ich noch einmal mit der Fallung und Demut einer echten Christin alle Fügungen Gottes und alle Leiden ertragen werde, die mir zu meiner Läuterung geschickt werden“.

Und mit der Bitte: „mach’s kurz, Herr Jesu!“ ist sie eingeschlafen. Gedenkt an eure Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben. Ihr Ende schauet an und folget ihrem glauben nach. Der Glaube hat Luise zur Heldin gemacht und ihr die Kraft zur Liebe gegeben. Das gelobte Land der Freiheit ihres teuren Vaterlandes hat sie nicht mehr gesehen, aber sie hat daran geglaubt und im Glauben daran das ihre getan, die neue Zeit herbeizuführen. Daß der gewaltige Minister Freiherr von Stein, der Preußen erneuert, an die Spitze der Verwaltung gerufen wurde, ist ihr Werk. Und der Mann, der beim Beginn des französischen Feldzuges an Luisens Sarge im Mausoleum zu Charlottenburg still gebet, ehe er den Entscheidungskampf wagte, der im Königsschlosse zu Versailles zum deutschen Kaiser ausgerufen ward, ist ihr Sohn! Was danken wir, wir die Menschen dieser Tage, der so früh im Leide dahin geschiedenen Königin? Wir, denen es unter unsers Kaisers glorreicher Regierung so wohl geht, und die doch so undankbar sind für alle unverdiente Gnade Gottes? Meine Freunde!

Wenn der Glaube wankt, wenn die kalten Zweifel herrschen, dann erstirbt auch die Liebe, die heilige, selbstlose, opferwillige Liebe, dann geht es abwärts mit Seelenfrieden, mit Familienglück und Volkswohl. Das Vaterland wird auch heute nur durch den Guten gerettet. Lasset uns die bessernde Hand bei uns selbst anlegen und von der grossen Predigerin auf dem Throne lernen – wir Männer und Frauen – liebhaben und glauben. Amen.
Nach der Predigt wurde der Gemeinde bekannt gegeben, daß unser Allergnädigster Kaiser und König aus Anlaß dieser Feier sich entschlossen habe, die drei Fenster der Apsis der hiesigen Kirche mit Glasgemälden zu schmücken; Ihre Majestät die Kaiserin hat der Kirchengemeinde unter Segenwünschen einen Altar-und Kanzel behang in Schwarz gestiftet, der zu dieser Feier zum ersten mal auflag.

Dankbar für diese Stiftungen sind die Frauen und Jungfrauen der Stadt zusammengetreten, eine Königin Luise-Stiftung zu errichten, um die Taufkapelle mit gemalten Glasfenster zu versehen. Nach dem Gesang der Gemeinde „ So kommet vor sein Angesicht“ hielt der Diakonus der Kirche, Pfarrer Brexendorff, die Schlußliturgie.
Nach dem Gottesdienst begaben sich die Korporationen durch die Baustraße zu Luisenplatz zur Aufstellung dortselbst. Prinz August Wilhelm nahm mit dem Gefolge den Weg ebendorthin durch die Friedrich Wilhelmstraße. Wiederum jubelte die Bevölkerung freudig ihm zu. Das Denkmal erschien von heller Sonne bestrahlt in ernster Schlichtheit, würdig und groß.


 

                                                                                                     III.
                                                          Festakt am König Luise-Denkmal


Die vereinigten Männerchöre sangen:                       Das treue deutsche Herz.       
                                                                               
Ich kenn einen hellen Edelstein                                                Soweit der liebe Himmel reicht.
Von fröhlich hoher Art;                                                              Die Menschenbrust ist´s Kämmerlein,
In einem stillen Kämmerlein,                                                    Da legte Gott so tief hinein
Da liegt er gut gewahrt.                                                             Den schönen hellen Edelstein,
Kein Demant ist, der diesem gleicht,                                      Das treue, deutsche Herz:

Für Pflicht und Recht, für Wahrheit,                                                      Nimm, Gott, mir alles was ich hab,
Flammt heißt es allezeit;           (Ehr,                                                     Ich geb es freudig hin,
Voll Kraft und Mut schlägts hoch und                                                   Nur laß mir seine schönste Gab,
Für Jugend, Frommheit.           (hehr                                                      Den treuen deutschen Sinn.
Nicht schrecket es der Menschen Spott,                               Dann bin ich hochbeglückt und reich,
Es traut allein den lieben Gott.                                                Kein Fürst auf Erden kommt mir gleich.
Der ganze Himmel klar und rein,                                             Und soll mein Leib begraben sein;
Er spiegelt sich mit lichtem Schein                                                         Dann setz in deinen Himmel ein
Im schönen, hellen Edelstein,                                                  Den schönen hellen Edelstein,
Im treuen, deutschen Herz.                                                                     Mein treues, deutsches Herz.     
                                                                                                                                    Komp. von Julius Otto.


Aus der Kirche der Ehrenjungfrauen traten Fräulein Elfriede Draeger, Fräulein Käthe Müller und Fräulein Elisabeth Pfannschmidt, mit den entsprechenden Landesfarben geschmückt, hervor, um den nachfolgenden Prolog zu sprechen:

                                                           Mecklenburg. (Frl. Elfriede Draeger).

Hehre, geil´ge Glockentöne                                                                       Und das Land, das jene Teure
Künden heut in Majestät                                                                            Einst mit Stolz sein Kind genannt,
Einen Tag voll ernster Schöne,                                                                    Steckt euch, daß es mit euch feire,
Den ein feiernd Volk begeht.                                                                       Treulich hin die Bruderhand.
Einen Tag, da wir bezwungen                                                                      Ob Luises Wiege nimmer
Vor vergangener Größe stehn,                                                                    Auf der Heimat Erde stand,
Lauschend den Erinnerungen,                                                                      Und erst in der Hoheit Schimmer
Die durch unsere Seele gehen.                                                                    Sie gegrüßt das Vaterland.
                                                                                                                     Hielt ihr Herz mit treuem Schlage
Sie, die edle, leidbewährte,                                                                          Doch die Heimat lieb und wert;
Fromme Fürstin, hold und mild,                                                                   Und an ihrem letzen Tag
Die Erhabne, Frühverklärte,                                                                         Hat sie uns, nur uns gehört.

                                                          Preußen. (Frl. Käthe Müller).

Aber uns, dem Preußenlande,                                                  Aber als mit rauhen Schlägen
Ward zu herrlichstem Gewinn                                                  Sturm und Wetter kam von fern,
Durch die Liebe zarte Bande                                                                   Ward sie ihres Landes Segen;
Sie die holde Königin.                                                                 Preußens Engel, Preußens Stern.
Sonnenschein und tiefe Güte      
Strahlte ihre Unmut aus,                                                                          O Luise, dankbar schauen
Und ein reines Glück erblühte                                                           Heut, da Glockenton dir schallt,
In des Königs Herz und Haus.                                                              Unsere Männer, unsre Frauen
                                                                                                                     Auf zu deinen Lichtgestalt.
Auch, auf Händen stets getragen                                                           Ob auch, seit du uns genommen,
Hat ihr Volk sie lieberfüllt,                                                                       Ein Jahrhundert schwand dahin,
Als sie noch in frohen Tagen                                                                   Ewig in getreuen, frommen
Hellen Jugendglückes Bild.                                                                      Herzen lebst du, Königin!   


                                       Deutschland. (Frl. Elisabeth Pfannschmidt).

Was Luise ihm bedeutet,                                                           In der Söhne junge Herzen
Weiß beglückt das deutsche Land,                                              hat sie edle Saat gesägt,
Um die Stämme alle breitet                                                       Ehe sie nach kurzen Schmerzen
Sich ihr Name als ein Band;                                                       Schnitter Tod dahingemäht.
Rings im Reiche klingt und singt es                                             Und es wuchsen stolz die Reiser,
Wie ein holdes, heil´ges Lied,                                                   Und die edle Saat gedieh:
„Königin Luise“, klingt es                                                          Mutter unserm deutschen Kaiser,
Andachtsvoll in Nord und Süd.                                                 Mutter Deutschen Reichs ward sie.

                                                                        Alle drei.

Drum gesegnet ist die Stätte                                                    Sind die Tränen auch geflossen, -
Und ein Heiligtum dem Land,                                                   O Luise, schau herab, -
Da ihr letztes Ruhebette                                                            Freudenernte ist gesprossen
In der Nacht des Trauers stand.                                               Aus den Tränen und dem Grab!
                                          
                                                      Für diese Feier gedichtet von Renata Pfannschmidt-Beutnert.

 
Wiederum ertönte ein Gesang „der schönsten Königin“.

Stimmt an das Lied, ihr Preußen,                                             Und Sprach zu den Landesfindern
Von der schönsten Königin                                                       Ihr Mund so engelrein,
Aus allen Landen und Zeiten,                                                    Das war, als kläng vom Himmel
Es war eine Zollerin!                                                                   Eine Stimm ins Herz hinein.
Sie Sie saß auf dem Preußenthrone,                                       Und als die strahlenden Augen
Ums Haupt einen Strahlenkranz,                                             Geschlossen des Landes Weh,
Viel heller als die Krone                                                             Ging sie zum ew´gen Frieden,
Schien ihres Auges Glanz.                                                          Ein Engel zu selger Höh.
Und sah sie ihre Preußen                                                          Das war auf der ganzen Erde
Mit den strahlenden Augen an,                                                Die schönste Königin,
Da wars, als sei der Himmel                                                     Die Königin Luise,
Vor ihnen aufgetan.                                                                   Die Hohenzollerin!
                                                                                                      
Schottische Volksweise, Tonsang v. G. Hecht


Darauf hielt Bürgermeister Leue die Begrüßungsansprache:         

Königliche Hoheit! Zur Feier des Gedächtnisses an unsrer unvergessliche Königin Luise hier vereint, ist uns die hohe Ehre zu Teil geworden, Eure Königliche Hoheit als Vertreter Seiner Majestät unseres Allergnädigsten Kaiser und Königs begrüssen zu dürfen. In tiefster Ehrfurcht bringen Eurer Königlichen Hoheit wir ehrerbietigsten Willkommensgruss. Als Vertreter Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs von Mecklenburg Strelitz bergrüssen wir ehrerbietigst den Herr Oberst von Wulkow. Hoher Dank erfüllt alle unsere Herzen, dass wir heute vereint sein dürfen mit dem hochedlen erlauchten Herrscherhause, dem unsere unvergessliche Königin Luise entsprossen ist.
 

In Namen unserer kleinen, an historischen Erinnerungen und alterwürdigen Baudenkmäler reichen Stadt entbiete ich den entbiete ich den hochverehrten Herren Mitgliedern des Ehrenausschusses unter ergebensten Dank für Ihr Erscheinen herzlichen Gruss Willkommens.
Ihr gütiges Entgegenkommen ermutige uns, diesen Gedenktal zu einem Feiertag nicht nur für unsrer kleine Stadt zu gestalten, sondern auch für den Kreis Ruppin und die benachbarte Prignitz, die vor 100 Jahren zusammen traten, der entschlafenen Landesmutter dieses Denkmal zu errichten.
Wir begrüssen Sie alle auf das herzlichste, hochverehrte Gäste, die Sie von fern und nah gekommen sind, um mit uns dankerfüllten Herzen der hohen Frau, der Königin aller Königinnen, zu gedenken, die selbst in der traurigsten Zeit nur für Ihr Volk lebt, die Ihrem Volk im feurigen Erglühen Sich selbst dahin wie eine Rose gab.

Und wie die Königin Ihr Volk liebte, so liebte, ja so liebt heute noch das Volk die Königin. Wie könnte es anders sein!
Wer wollte heute deutsch sich nennen, dessen Herz nicht voll Dankes ist?
Warum hat unsere Stadt das Recht, eine Feier von besonderer Art zu veranstalten, warum wählten wir den heutigen Tag?
Die Inschrift an diesem Denkmal gibt uns Antwort:
„An dieser Stelle fah´n wir jauchzend Ihr entgegen, wenn Sie die „ Herrliche in milder Hoheit Glanz mit Engelfreundlichkeit vorüber“ zog. An dieser Stelle hier ach flossen unsere Tränen, als wir dem“ stummen Zug betäubt entgegen fah´n. O Jammer Sie ist hin!“
Diese schlichten Worte überliefern uns die Gefühle unsrer Vorfahren; sie zeugen uns, mit welcher Treue, mit welcher Begeisterung Preussens unvergessliche Königin in unsere stillen Stadt von unsren Vätern empfangen wurde, wenn Sie von Heimat zu Heimat zog.
Diese schlichten Worte lassen wieder aufleben Gefühle herber unbeschreiblicher Trauer bei Alt und Jung, als dumpfes Glockengeläut den Tod der Königin verkündet.
100 Jahre sind heute verflossen seit jener Nacht, in welcher die sterbliche Hülle unsrer hochedlen Königin Luise hier auf diesem Platz aufgebahrt war, bewacht von Bürger unserer Stadt. 100 Jahre konnten aber nicht die Trauer um den zu frühen Verlust aus unsern Herzen löschen.
Heute nach 100 Jahren schauen wir, der hohen Verklärten gedenkend, hinauf zum hohen Himmelszelt unter Dankgebeten zu Gott, der die Geschicke unseres Landes geleitet aus der Tiefe zur Höh.


  

Und wir blicken dankerfüllten Herzens hinauf auch zu dem grossen Sohn der grossen Königin, dem ersten deutschen Kaiser, unter dessen ruhmreichen Regierung ein grosses deutsches Reich entstanden ist.

Aus dem Sande Brandenburgs ein grosses einiges Achtung gebietendes deutsches Reich! – Und was der grosse Kaiser mit starker Hand erschaffen, das hält unser Allergnädigster Kaiser und König Wilhelm II. mit eiserner Energie durch seine Friedensliebe.

Wenn schwere Gewitterwolken am politischen Horizont standen, drohend, jeden Augenblick gewaltig sich zu entladen, war es stets unser deutscher Kaiser, der den für die Wohlfahrt des Landes jetzt so notwendigen Frieden schützte. Gott schirme unsern geliebten Kaiser, Gott segne Ihn, Gott erhalte Ihn, Gott gebe reichsten Segen zu Seinem grossen Friedenswerk.

Schöner und würdiger können wir unsere Feier nicht begehen als mit dem begeisterten Jubelruf der Treue und Hingabe- Se. Majestät unser Allergnädigster Kaiser und König Wilhelm II. lebe hoch!

Die Anwesenden stimmten begeistert in dieses Hoch ein und fangen: „Heil die im Siegeskranz“. Am Denkmal wurden mit kurzen begleitenden Worten Kränze niedergelegt, vom Vertreter Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, von der Stadt Gransee, den Kreisen Ruppin, Ost- und West-Prignitz, sowie von vielen Kriegervereinen und anderen Korporationen der Stadt und der Umgegend, im Ganzen 33. Den Schlußchor bildete das

Deutsche Gebet.

Laut klinge deutscher Männerchor,                                                                     Vor schlichter, deutscher Treu vergehn.
Wie Frühlingsbraus die Luft durch-                                                                       Beschütz, o Herr, in Sturm und Braus
Auf Liebesschwingen steig empor weht                                                               Das teure Kaiserhaus!
Fürs deutsche Land ein heiß Gebet!
Behüt, o Herr mit starker Hand                                                                           So will ich baun auf dich hinfort,
Das teure Vaterland!                                                                                           Der nicht zu Schanden werden läßt.
                                                                                                                           Will deutsch mir wahren Herz und Wort,
Das du geschirmt in heißer Schlacht,                                                                   Und stehn zu Reich und Kaiser fest.
Laß frei und stark im Frieden stehn;                                                                     Getrost geb ich in deine Hand
Laß seiner Feinde Spott und Macht                                                                      Das teure Vaterland!

 Möhring.                                                                                                                        
Komp. v. Ferdinand

Seine Königliche Hoheit Prinz August Wilhelmdankte unter freundlichen Worten den Ehrenjungfrauen, besichtigte eingehend das Denkmal und trat, von den Vertretern der Stadt sich verabschiedend, die Rückfahrt an, begleitet von dem Jubel einer vieltausendköpfigen Menge.

Nachmittags 3 Uhr sammelten sich die Schuljugend mit Ihren Lehrern sowie alle Vereine mit Ihren Fahnen abermals auf dem Klosterplatz, um unter klingendem Spiel durch die Stadt an dem Kriegerdenkmal vorüber zum Waldplatz zu ziehen. Hier boten die Schulkinder zunächst Gesänge und deklamatorische Vorführungen, sodann zogen die Lehrer mit Ihren Klasse in den Wald, um fröhlichem Spiel zu huldigen. Von schönem Wetter begünstigt, konnten Alt und Jung sich an der Natur und an dem fröhlichen und harmonischen Treiben der Menge erfreuen. Am Abend ging es im geschlossenen Zuge, die Hauptstraßen der Stadt berührend, wiederum zum Luisen-Denkmal. Hier stattete Superintendent Pfannschmidt in einem kurzen Schlußwort den Behörden der Stadt Gransee für die Veranstaltung dieser Feier herzlichen Dank ab. In den Ruf „Gott segne die Stadt Gransee“ stimmte alles freudig ein. Die Königin Luise-Gedächtnisfeier hatte ihren Abschluß gefunden. Alle Teilnehmer haben einen tiefen Eindruck empfangen, haben ihrer Freude über das Erlebte Ausdruck gegeben und werden diese Tage nicht vergessen.


02b

ende

                                                 


Theodor Fontane

Nach dem Besuch des Neuruppiner Gymnasiums und der Friedrichwerderschen Gewerbeschule in Berlin begann er 1836 eine Apothekerlehre und bestand 1847 das Pharmazeutische Staatsexamen. Erste schriftstellerische Veröffentlichungen 1839 und die Aufnahme in den Berliner Dichterclub „ Tunnel über der Spree“ bewogen ihn 1849 zur Aufgabe seines Apothekerberufes. Er begann als Journalist und Schriftsteller zu arbeiten. 1852-1882 erschienen die vier Teile der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“.

FontaneDer Band „Fünf Schlösser“ folgte 1889. Erst mit 60 Jahren trat Fontane als Romancier an die Öffentlichkeit. Auf den Erstling „ Vor dem Sturm“ folgten in kurzen Abständen seine zur Weltliteratur gehörenden Romane und Erzählungen wie „Irrungen und Wirrungen“, „Effi Briest“ und der „Stechlin“. Theodor Fontane starb am 20. September 1898 in Berlin.
Fontanes erste Gedanken und Überlegungen zu den „Wanderungen“ kamen ihm bei seinen Aufenthalten in England und Schottland.

Seinem Verleger Wilhelm Hertz schrieb er über seine Beweggründe : „Ich hatte einfach vor , meinen Landsleuten zu zeigen, dass es in ihrer Nähe auch nicht übel sei und dass es in der Mark Brandenburg auch Städte, alte Schlösser, schöne Seen, landschaftliche Eigentümlichkeiten und Schritt für Schritt tüchtige Kerle gäbe“.

Im ersten Teil seiner Wanderungen, „Die Grafschaft Ruppin“, geht Fontane auch auf Gransee ein. Gransee gehörte von1319 bis 1524 zur Grafschaft Ruppin. Er beschreibt neben historischen Gebäuden wie Marienkirche, Waldemartor, Warte und Luisendenkmal auch das Wirken des Inspektors Ernst Germeshausen.
So erwähnte Fontane Gransee als eine feste Stadt, vielleicht die festeste der Grafschaft Ruppin. Von der Kirche behauptete er : „Diese wird von keiner in der Grafschaft übertroffen“.

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