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Schulzendorf

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Am Sonntag, dem 14. August 2011, kündeten die Glocken der Kirche zu Schulzendorf von einem besonderen Ereignis: Vor nunmehr 110 Jahren, genau am 11. August 1901 um 11 Uhr wurde „gleich einem Samenkorn“ der Grundstein für dieses Gotteshaus gelegt. Dies war für die hiesige Gemeinde Anlass für eine festliche Veranstaltung, die um 14 Uhr begann und sehr gut besucht war. Etwa 70 Besucher nahmen erwartungsvoll Platz und folgten in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche der halbstündigen Andacht ihres Pfarrers Heinz-Dieter Schmidtke. Anschließend gab der in Schulzendorf gebürtige Historiker Carsten Dräger mit seinem Vortrag einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Kirche, eingebettet in eine Zeitreise durch die Geschichte des Ortes. Es wurde deutlich, dass das Vorhandensein einer Kirche stets mit dem Schicksal des Dorfes verbunden war. So entstand bereits in mittelalterlicher Zeit, mit der Gründung des Straßendorfes durch bäuerliche deutsche Siedler um 1250, eine Kirche, die aus dem ehedem als Baumaterial verwendeten Feldstein bestand. Ihr Turm ragte auf der Anhöhe des noch in den Jahren 1300, 1316, 1319 und 1350 intakten Dorfes „wohlhabender“ Bauern gen Himmel. Für das Jahr 1350 ist ihr Vorhandensein durch eine Schenkung des Grafen Ulrich zu Ruppin und Lindow belegt.

Der Landesherr schenkte der Kirche zu Schulzendorf und ihrem „Capellan“ Conrad, genannt Conrad von Schultzendorff, 3 Hufen Land zur Dotation. Das erste Schulzendorfer Gotteshaus erlebte seinen Niedergang mit der so genannten „Wüstwerdung“ des Dorfes. Bereits 1416, dann 1424 und 1525 erscheint Schulzendorf nur noch als „wüste Feldmark“. Die Steine der Restmauern des ersten Schulzendorfer Gotteshauses wurden dann zur Errichtung des zwischen 1525 und 1574 entstandenen Kurfürstlichen Vorwerks, das aus einigen Wohngebäuden für den Lehnschulzen und die angesetzten Kossäten, diversen Wirtschaftsgebäuden und einer Amtsschäferei mit über 2000 „Haupt“ Vieh bestand, verwendet. Dem ersten Gotteshaus mittelalterlicher Zeit folgten dann zwei weitere.

Zunächst errichteten die 1691 in Schulzendorf angesiedelten „Kolonisten“ aus der Schweiz, die ab 1694 mit der „Schweizer-Kolonie“ Lüdersdorf eine reformierte Gemeinde bildeten, nach Fertigstellung und Einweihung der Lüdersdorfer Pfarrkirche (1701/02) ihr Gotteshaus im Fachwerkstil, das 1703 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Dessen Baufälligkeit nach fast 200 Jahren sowie der Umstand, dass Schulzendorf per „Umpfarrungsdekret“ vom 20. April ab 1868 in den Rang einer eigenständigen Pfarre erhoben wurde führten dazu, dass die hiesige wohlhabende Gemeinde nebst ihrem Pfarrer Dominik den Bau eines dem stattlichen Dorf und dem Selbstverständnis seiner stolzen Einwohner angemessenen sowie einer Pfarrkirche würdigen Sakralbaus anstrebte. Nach langwierigen Verhandlungen und aktenfüllendem Schriftverkehr erfolgte schließlich in der Gemeindeversammlung am 14. Februar 1895 die Beschlussfassung zum Bau einer neuen Kirche. Mit der Grundsteinlegung, einer Predigt und dem Segensspruch des Pfarrers Wetzel am 11. August 1901 begann das Projekt Gestalt anzunehmen. Noch im selben Jahr konnte die neue Kirche im Rohbau fertig gestellt werden konnte.

DSchulzendorfDorfkirche, Schulzendorfie neue Kirche, aus Schulzendorfroten Ziegeln im „märkischen Rundbogenstil“ errichtet, wuchs am Standort ihres Vorgängerbaus empor. Die Investitionskosten betrugen insgesamt 32.000 Mark. Das Geld wurde je zur Hälfte vom Staat und den Kirchenbehörden inkl. der hiesigen Kirchengemeinde aufgebracht. Die Königstädter Tochtergemeinde (filia) brauchte sich nicht an der Finanzierung der Pfarrkirche zu beteiligen. Die Bauleitung oblag dem Architekten Laneus aus Templin, der auch die Baupläne entworfen hatte. Die Bauausführung erfolgte durch die Baumeister Wieder, Klagemann und Drescher aus Lindow.

Nach der Vollendung der Innenausstattung (Altar/Kanzel/Gestühl /Orgel) konnte die schöne, mit ihrem Turm weithin sichtbare Kirche im märkischen Rundbogenstil, mit der kurz danach errichteten Kirche in Großwoltersdorf die stattlichste ihrer Art in der hiesigen Region, in Anwesenheit des Granseer Superintendenten mit einem Festgottesdienst feierlich ihrer Bestimmung übergeben werden. Der Einbau der Turmuhr nebst Zifferblatt erfolgte im Jahre 1905. Dank einer Privatspende von Herrn Röhll konnten das nicht mehr intakte Uhrwerk und das verrostete Zifferblatt nach über 100 Jahren wieder funktionstüchtig gemacht bzw. ausgetauscht werden. Sehenswert im Inneren der Kirche sind die hölzerne Hochkanzel und das farbig gestaltete Altarfenster. Tafeln in der Kirche erinnern an die Gefallenen der Befreiungskriege (1813-1815) sowie der Kriege von 1864, 1866 und 1870/71.

Auf dem die Kirche umschließenden Friedhof befinden sich zudem das „Kriegerdenkmal“ für die Gefallenen des 1. Weltkriegs, eine Grabstätte zur Erinnerung an einen nahe Schulzendorf abgeschossenen und hier bestatteten deutschen Jagdfliegers sowie eine andere zum Gedenken an während des 2. Weltkriegs in Schulzendorf verstorbene polnische Zwangsarbeiter und ukrainische Zwangsarbeiterinnen und deren Kinder. Die Recherchen anlässlich der mit einem einzigartigen, sehr gut besuchten Festwochenende im Jahre 1991 begangenen 300-jährigen Wiederkehr der Ansiedlung reformierter Schweizer aus den Kantonen Bern und Zürich beförderten ein sehr wertvolles geschichtliches Zeitzeugnis ans Tageslicht: Hinter der Orgel stand unbeachtet eine kleine, unscheinbare Holzbank, die sich als Gebetsbank der ersten Migrantengeneration entpuppte. Sie ist mit einer Inschrift von 1694 versehen und wurde ehedem vom ortsansässigen „Kolonisten“ Schirmer, der den hiesigen Küsterdienst versah, der Heimatgemeinde gestiftet. Offenbar blieb die Gebetsbank beim Abriss des vorherigen Gotteshauses vor der Vernichtung bewahrt. Die eigenständige Pfarrgemeinde Schulzendorf bestand von 1868 an. Als Seelsorger versahen hier die Pfarrer Kikebusch (1868-1871), Dr. Tollin (1871-1876), Pfeiffer (1876-1880), Liepe (1881-1888), Dominik (1889-1898), Heinrich Ludwig Wetzel (1899/1900), dessen Bruder Carl Wilhelm Wetzel (1900-1927) und Linke (1929-1936) ihren Dienst. Schließlich folgten die Pfarrer Dalchow und Loest. Sie alle wohnten und arbeiteten im Pfarrhaus, das 1867/68 neu erbaut worden war und sich heute in Privatbesitz befindet. Mit Auflösung der Pfarrstelle vor Ort gehörte die evangelische Kirchengemeinde Schulzendorf zum Pfarramt Sonnenberg (Pfarrer Schulze/Pfarrer Dr. Johann), nach deren Einsparung zum Pfarrsprengel Gransee. Als Pfarrer fungierte fortan der sehr volksnahe, engagierte und bedauernswerterweise im Dezember 2013 viel zu früh verstorbene Pfarrer Schmidtke aus Gransee. Derzeit versieht Pfarrer Poldrack die kirchlichen Amtsgeschäfte dieses Pfarrsprengels.



1316 Schlacht bei Schulzendorf

Vorgeschichte
Direkter Auslöser des Konfliktes war der Erbstreit um die Herrschaft Stargard nach dem Tod der Markgrafentochter Beatrix von Brandenburg, der Gattin des mecklenburgischen Herzogs Heinrich II., im Jahr 1314. Die Brandenburger forderten das "Land Stargard" als erloschenes Lehen und Leibgedinge zurück. Die Mecklenburger Fürsten beantworteten ihrerseits ständige Überfälle des Brandenburger Markgrafen Waldemar des Großen im Jahr 1316 mit mehreren Einfällen in den Norden der Mark Brandenburg unter Führung des Johann von Werle. Als das mecklenburgisch-dänische Koalitionsheer erneut unter Führung Heinrich II.von Mecklenburg, genannt der "Löwe", mit seinen Truppen die Grenze nordwestlich von Gransee überschritt und in das Hoheitsgebiet der Mark Brandenburg einfiel, sammelte der brandenburgische Markgraf Waldemar sein Heer in und bei der Stadt Gransee, um sich den Feinden entgegenzustellen.
 
Verlauf
Die Brandenburger Truppen, meist schwer gerüstete Reiter, waren den zu beträchtlichen Teilen aus Fußtruppen bestehenden mecklenburgisch-dänischen Truppen vermeintlich stark überlegen. In alten Überlieferungen mecklenburgischer Herkunft wurde im patriotischen Überschwang und heroisierender Überhöhung gar von einer vierfachen personellen Überlegenheit der Brandenburger und ihrer Bündnispartner geschrieben. Um diesen quantitativen Nachteil auszugleichen, entschlossen sich die Mecklenburgischen Fürsten und ihre Verbündeten zu einem Überraschungsangriff auf die Brandenburger Truppen, wobei sie auf Anraten Johann von Werles aus dem Walddickicht kommend das Mühlenfließ bei Schulzendorf überquerten. Dieses Fließ, dass sich noch heute in nahezu unverändertem Verlauf entlang der südlichen Waldlichtung des sogenannten "Unterbusch" entlang schlängelt, trieb dereinst die Wassermühle zu Rauschendorf an und floss von dort weiter bis in den Granseer Geronsee. Im Kampf erwiesen sich gerade die Fußtruppen als entscheidende Kraft der Angreifer. Waren die Ritter in ihren Rüstungen einmal aus dem Sattel gehoben, zeigten sie sich im Bodenkampf sehr unbeweglich und lagen sie erst am Boden, waren sie de facto wehrlos und den Kämpfern zu Fuß hoffnungslos unterlegen. Die Brandenburger und ihre Verbündeten gerieten nach mehrere Stunden andauerndem erbittert geführten Kampf auf Leben und Tod, der lange unentschieden war und einem Gemetzel glich, in arge Bedrängnis. Heinrich der Löwe wurde zwar in der Anfangsphase der Schlacht durch einen Axthieb auf den Kopfhelm verletzt und musste vorübergehend aus dem Felde geschafft werden. Er konnte aber bald wieder ins Geschehen eingreifen und stürzte sich wutentbrannt und mit unbändiger Energie aufs Neue in die Schlacht. Auf brandenburgischer Seite wurden sieben Grafen, darunter Albrecht V. von Wernigerode und der Graf von Mansfeld, gefangen genommen. Der Markgraf Waldemar entging dieser Gefangenschaft knapp, da ihn der Graf von Mansfeld den Händen seiner Häscher entriss und sich seinerseits opferte. Markgraf Waldemar und seine Mannen ergriffen ziemlich ungeordnet die Flucht und suchten Schutz hinter den hohen Mauern der "festen Stadt" Gransee, die Fontane später als die wohl festeste der "Grafschaft Ruppin" bezeichnete. Auf mecklenburgisch-dänischer Seite geriet Johann II. von Holstein-Kiel, der Halbbruder des dänischen Königs Christoph I., in Gefangenschaft. Die gefangenen Adligen galten für beide Seiten als Faustpfand in den Friedensverhandlungen. Die siegreichen Verbündeten zogen sich über Rheinsberg und Wesenberg auf mecklenburgisches Gebiet nach Buchholz zurück und feierten ausgelassen und ausgiebig ihren militärischen Sieg.
 
Ergebnisse
Nach der Schlacht bei Gransee folgten noch im gleichen Jahr Verhandlungen, so unter anderem in Zehdenick, welche 1317 zum "Frieden von Templin" führten. Markgraf Waldemar musste den Erfolg der Koalition norddeutscher Fürsten und Dänemarks akzeptieren. Die Herrschaft Stargard verblieb und gehörte fortan dauerhaft zu Mecklenburg. Mit dem Tod von Waldemar und seinem unmündigen Vetter Heinrich erlosch zudem 1319/20 das Haus der Askanier in Brandenburg.

 

 

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