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Eberhard Werner

Eberhard Werner wurde am 8. August 1924 im schlesischen Glogau als Sohn des Zeitungsverlegers und Druckers Friedrich Werner geboren. Als Soldat erlitt er während des 2. Weltkriegs eine schwere Kopfverletzung. Nach dem Kriegsende absolvierte er ein Kunststudium in Erfurt und war in der damaligen DDR als Kunstlehrer in Gransee tätig. Er galt als Meisterschüler des bekannten Liebermann-Schülers Max Köcke-Wichmann, der ehedem in Kraatz, einem heutigen Ortsteil von Gransee, lebte und arbeitete. Eberhard Werner, erfolgreich als Kunstpädagoge und Künstler, verließ wegen politisch-künstlerischer Restriktionen 1959 die DDR. Zu den künstlerischen Spuren, die er in Gransee hinterließ, gehören die Sgrafitti am Trafohäuschen und an der Voliere auf dem Platz der Jugend. Der Erhalt dieser beiden kleinen Gebäude darf, gerade in Anbetracht der bevorstehenden Um- und Neugestaltung des Areals, schon deshalb nicht in Frage stehen, weil deren Fassaden einmalige Unikate der selten so perfektionierten und angewandten Sgraffiti-Kunst darstellen. Bei dem im Jahre 1956 vom damaligen Granseer Lehrer und Künstler Eberhard Werner geschaffenen, noch gut erhaltenen Kunstwerk auf der Fassade des Trafohäuschens handelt es sich um ein großformatiges, in seltener Kratztputztechnik gefertigtes Sgraffito-Wandbild zum Thema „Elektrizität“.

WernerVon gleicher Künstlerhand wurde auch das Sgraffito an der Fassade der nur wenige Meter entfernt befindlichen, zum 750. Stadtjubiläum im Jahre 2012 restaurierten Bühne geschaffen, die nun als Voliere genutzt und vom hiesigen Kleintierzüchterverein betreut wird. Die Motive, die Eberhard Werner hier unter dem Arbeitsmotto

„Leben in Gransee einst und jetzt“ in den Fassadenputz einarbeitete, spiegeln Momente der Granseer Stadtgeschichte älteren und jüngeren Datums wider. Sie versinnbildlichen Szenen aus dem Leben in Gransee in Vergangenheit und Gegenwart, im Detail unter anderem einen Umzug zum 1. Mai, die Arbeit in der Ziegelei, das Füttern von Schweinen, die Obsternte, ein klassisches Konzert, eine moderne Tanzveranstaltung (Geige, Klavier und Saxophon), eine Volkstanzveranstaltung (Folklore), einen Chor, Pulverturm und Warte als Sinnbilder der wehrhaften Stadt, die Zollerhebung am Ruppiner Tor und Leute auf dem Weg zur Marienkirche. Dieses Sgraffito, entstanden im Jahre 1957, war leider schon durch großflächig abgeplatzten Putz stark beschädigt und konnte deshalb nur zum Teil in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden.

Eberhard Werners in den 1950er Jahren entstandenen Sgraffiti auf dem Platz der Jugend in Gransee Gransee spiegeln ein nicht alltägliches Genre bildlich-künstlerischer Darstellungstechnik wider, die ihre Blütezeit bereits in der Renaissance erlebte. Die moderneren Kratzbilder, heute in Ableitung von italienisch „sgraffiare“ (kratzen) als Sgraffiti bezeichnet, sind in großer Zahl und Vielfalt an den Renaissancebauten Oberitaliens, an Gebäuden im Schweizer Kanton Graubünden und an hessischen und thüringischen Bauernhäusern zu finden. Auf der unteren Schicht, dem Rauputz, wird der Kratzputz, bestehend aus dem tiefer liegenden Kratzgrund und der darauf befindlichen dünneren Kratzschicht, aufgetragen. Darin wird vor dem Aushärten das gewünschte Bild oder Symbol eingearbeitet. Die farbige Gestaltung eines Sgraffitos entsteht, indem entweder die verschiedenen übereinander aufzutragenden Putzschichten bereits einen bestimmten Farbton aufweisen oder die freigeritzten bzw. freigekratzten Flächen farblosen Putzes mit Farbe be- bzw. ausgemalt werden.

Die Erhaltung des noch komplett erhaltenen Sgrafittos „Elektrizität“ am ehemaligen Trafohäuschen auf dem Platz der Jugend gebietet sich, um einerseits wenigstens eines der beiden Kunstwerke von Seltenheitswert für Gransee, seine Gäste, die hier lebenden Menschen und nachfolgenden Generationen in seiner Gänze zu erhalten und andererseits dem Künstler und ehemaligen Granseer Eberhard Werner Anerkennung und Dank zu erweisen. Zum künstlerischen Werk Eberhard Werners zählen überdies auch sehr gelungene Landschaftsbilder unserer Heimatregion, so unter anderem das Ölbild „Blick auf Gransee von der Marienkirche aus“ (1954) sowie das Aquarell „Blick vom Geronsee auf Gransee und die Kirche“ (ca. 1955).

Ein Selbstbildnis von 1956 zeigt den Künstler Eberhard Werner während seiner hiesigen Schaffenszeit. In der Bundesrepublik Deutschland war Eberhard Werner zunächst ein relativ unbeschriebenes Blatt und sein Werk fand anfangs nur begrenzt öffentliche Anerkennung. So recht vermochte sich der Künstler nicht mit der ihm bis dato fremden Kommerzialisierung der Kunst zu arrangieren. Aber er fand mit seiner Familie eine neue Heimstätte und errichtete in Obermehnen bei Lübbecke in Nordrhein-Westfalen ein Haus mit großzügigem Atelier. Seinem Können, seiner Fantasie und Kreativität vertrauend, vermochte er sich alsbald künstlerisch zu etablieren. Insbesondere seit den 1980er Jahren fand er zunehmend auch in seiner neuen Heimat Anerkennung und Achtung als begnadeter Landschaftsmaler. Wie er es ehedem in Gransee getan hatte, schuf er eine Vielzahl von Bildern, die Ansichten seiner nunmehrigen Heimatstadt Lübbecke darstellen. Eberhard Werner verlor Ende der 1990er Jahre nach und nach sein Augenlicht, weshalb sein künstlerisches Werk zum Erliegen kam. Am 23. September 2002 verstarb er in Lübbecke.

 

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